Saison 1937/38

Liga: 1. Kreisklasse Senftenberg

 

Während der Sommerpause hofften zwar die kühnsten Optimisten noch auf einen Verbleib des FC Alemannia Großräschen in der Bezirksklasse, diese wurden aber bereits Anfang Juli 1937 endgültig aus ihren Träumen gerissen. Da beschloss nämlich die Gauleitung die Abschaffung der Abteilung Nord der Bezirksklasse und die Eingliederung der dortigen Vereine in die anderen Staffeln. So gelangten vor allem die Vertreter aus dem Raum Frankfurt/Oder und Guben in die Oststaffel der Bezirksklasse Lausitz. Somit mussten die jeweils drei Letztplatzierten der Vorsaison, darunter leider auch der FC Alemannia Großräschen, ihre Plätze räumen und in der nun folgenden Meisterschaft 1937/38 in der 1. Kreisklasse antreten. Neben Alemannia erwischte es aus der Senftenberger Region auch noch den FC Ilse 1930, den SV Hoyerswerda 1919 und die SVgg 1924 Annahütte. Zudem wurde die Nord- und Südstaffel der 1. Kreisklasse Senftenberg zusammengelegt, um eine höchste lokale und leistungsstarke Liga zu bilden. Aufgrund dieser Konstellation und auch wegen der weiterhin unsicheren Personallage bei den jeweiligen Mannschaften (die Einberufungen zum Wehr- und Reichsarbeitsdienst gingen ja weiter) war ein klarer Favorit im Vorfeld der Meisterschaft nicht auszumachen. Für den FC Alemannia Großräschen begann die Saison gleich mit dem Lokalderby gegen den VfL Bückgen-Grube Ilse, der am 26. August 1937 aus der Fusion des FC Ilse 1930 mit dem TV Frischauf Bückgen hervorging. 2:2 hieß es am Ende und verdeutlichte die Ausgeglichenheit beider Teams. Eine Woche später folgte mit einem 3:4 die erste Niederlagen beim SV Hoyerswerda. Danach schienen sich die Großräschener aber im neuen Umfeld eingewöhnt zu haben, denn man startete eine beeindruckende Siegesserie. Zunächst wurde der TV 1862 Finsterwalde mit einem 2:0 nach Hause geschickt, dann bekamen die Turnerschaft Lautawerk (4:1) und der SV 1919 Petershain (2:0) die Stärke der Alemannen in ihren "Wohnzimmern" zu spüren, ehe Annahütte (2:1) und der BV Schipkau (5:0) ebenfalls geschlagen die Heimreise antreten durften. Das bedeutete nach dem 8. Spieltag die Tabellenführung. Nun brach aber der November an und der 1. diesen Monats war gleichzeitig auch der Einberufungstermin zur Wehrmacht. Den FC Alemannia Großräschen traf es mit gleich fünf "Abgängen" bei der I. Mannschaft mal wieder knüppeldick, was sich in den beiden folgenden Partien auch ergebnismäßig widerspiegelte. In Finsterwalde gab es eine 0:1-Niederlage und auch das Rückspiel zu Hause gegen die Turnerschaft Lautawerk, zu diesem Zeitpunkt Tabellenletzter, ging mit 1:3 in die Hosen. Parallel zum sportlichen Abstieg der Alemannen trumpfte der Lokalrivale Bückgen in dieser Phase groß auf und vieles deutete darauf hin, dass diese Elf den Titel holen würde. Der FC Alemannia Großräschen fing sich aber gerade noch rechtzeitig und pirschte sich nach Heimsiegen gegen den BC Erika (3:1) und dem SV Hoyerswerda (1:0) sowie einem wichtigen 2:2-Unentschieden in Annahütte wieder an die Tabellenspitze heran. Drei Spieltage vor Saisonschluss war die Spannung auf dem Siedepunkt. Noch hatte der VfL Bückgen-Grube Ilse zwei Punkte Vorsprung, aber die Großräschener hielten den Druck hoch, auch weil ihnen nun in der entscheidenen Meisterschaftsphase das Glück zusprach. In Schipkau köpfte Helmut Eisermann einen Eckball zwei Minuten vor Schluss zum siegbringenden 3:2 ein, während am gleichen Spieltag der Lokalrivale eine völlig überraschende 1:2-Heimniederlage gegen die Turnerschaft Lautawerk kassierte. Damit waren beide Konkurrenten urplötzlich wieder punktgleich und alles schaute nun gebannt auf das Derby in Bückgen, was die Vorentscheidung in Sachen Meisterschaft bringen sollte. In einer spannanden und hochdramatischen Auseinandersetzung stand es vor 600 Zuschauern bis zur 90. Minute torlos Unentschieden, dann donnerte Katsch einen zu kurz abgewehrten Ball zum umjubelten Siegtor ins Dreiangel des Bückgener Tores. Aber ein Spiel stand ja noch aus und musste auch erst einmal erfolgreich bestritten werden. Sturm und sintflutartiger Regen in Großräschen bildeten am 3. April die unpassenden Rahmenbedingungen für die finale Meisterschaftspartie gegen den SV 1919 Petershain. Beide Mannschaften hatten mit diesen widrigen Bedingungen zu kämpfen, am Ende behielt der FC Alemannia mit 2:1 dennoch die Oberhand und sicherte sich somit endgültig den Titelgewinn der 1. Kreisklasse Senftenberg.

Durch den elektrisierenden Meisterschaftsendspurt traten die Spiele im Tschammer-Pokal etwas in den Hintergrund. Als Kreisklassenvertreter musste Alemannia diesmal bereits schon zu den Vorrunden dieses Wettbewerbes antreten. Die erste Hürde lautete auswärts bei Germania Freienhufen und wurde mit einem 6:1 sicher übersprungen. In der zweiten Vorrunde wartete man auf den Gegner, den SC Vetschau, vergeblich, denn dieser trat zu dieser Pokalbegegnung nicht an. Damit war der Weg in die Zwischenrunde kampflos frei. Dort bekam der FC Alemannia Großräschen mit dem frischgekürten Meister der Bezirksklasse-Ost, der SpVgg Guben, ein sportlich hammerhartes Los zugeteilt. Dieser Pokalkracher stieg am 20. März und die Großräschener verkauften sich mehr als achtbar. Nur knapp mit 2:1 setzte sich hier der Favorit aus Guben durch und beendete damit die Pokalträume der Alemannen.

Als Meister der 1. Kreisklasse Senftenberg wartete nun aber noch die Aufstiegsrunde zur Bezirksklasse auf den FC Alemannia Großräschen. Gegner waren die Soldatenelf des SV Blau-Weiß Lübben-Treppendorf und der SC Spremberg 1896. Gerade die erstgenannte Mannschaft bildete eine Wundertüte, da die Leistungsstärke doch stark von den gerade zur Verfügung stehenden Spielern (Soldaten) abhing. Auch war nicht zu übersehen, dass diesem Klub gewisse Privilegien zugestanden wurden. So konnten die Lübbener beispielsweise zwei Begegnungen der Aufstiegsrunde problemlos verschieben lassen, als ihnen an den jeweiligen Spieltagen leistungsstarke Akteure fehlten. Das sorgte auch dafür, dass diese Aufstiegsrunde erst im August, also weit in der neuen Saison, beendet werden konnte. Der FC Alemannia Großräschen musste zunächst bei Blau-Weiß Lübben-Treppendorf antreten und verlor knapp mit 1:2. Als nur vier Tage später, zu Himmelfahrt, das Rückspiel angesetzt wurde, kam es zum ersten Ausfall. Drei Tage später siegte die Soldatenelf in Spremberg erneut mit 2:1 und konnte sich somit schon einen entscheidenen Vorsprung herausarbeiten. Am 5. Juni empfingen dann die Großräschener den Sportclub aus Spremberg und waren eigentlich schon zum Siegen verdammt, wollte man noch ein Wörtchen in Sachen Aufstieg mitreden. Bei Gluthitze erzielte Priem in der 17. Minute das Tor des Tages und sicherte somit den Gastgebern zwei wertvolle Punkte. Am darauffolgenden Sonntag fiel die Begegnung Lübben-Treppendorf gegen SC Spremberg aus, was den Spielausschuss anschließend veranlasste, die Aufstiegsrunde aus Termingründen zu unterbrechen (die Spielpause von Anfang Juli bis Mitte August war eine unanfechtbare Gesetzmäßigkeit) und sie erst nach dem Sommer fortsetzen zu lassen. Somit beendete der FC Alemannia Großräschen in Lauerstellung liegend und auf einen Ausrutscher der Lübbener Soldatenelf hoffend die Saison 1937/38.

 

 

Trainer: /

 

Spiele:

16.08.37 MS SVgg Eintracht Welzow - Alemannia 1:5
22.08.37 TS

Alemannia - SpVgg Calau

(Sportfest des DRL in Großräschen)

ausgef.
29.08.37 MS Alemannia - VfL Bückgen-Grube Ilse 2:2
12.09.37 MS SV Hoyerswerda 1919 - Alemannia 4:3
19.09.37 MS Alemannia - TV 1862 Finsterwalde 2:0
26.09.37 MS Tschft. Lautawerk - Alemannia 1:4
10.10.37 MS SV 1919 Petershain - Alemannia 0:2
24.10.37 MS Alemannia - SVgg 1924 Annahütte 2:1
31.10.37 MS Alemannia - BV Schipkau 5:0
07.11.37 MS TV 1862 Finsterwalde - Alemannia 1:0
14.11.37 MS Alemannia - Tschft. Lautawerk 1:3
28.11.37 MS Alemannia - BC Erika 3:1
09.01.38 PS TuS Germania Freienhufen - Alemannia ausgef.
16.01.38 MS BC Erika - Alemannia ausgef.
30.01.38 PS TuS Germania Freienhufen - Alemannia 1:6
06.02.38 MS SVgg 1924 Annahütte - Alemannia 2:2
13.02.38 MS Alemannia - SV Hoyerswerda 1919 1:0
27.02.38 MS BC Erika - Alemannia 2:2
06.03.38 PS Alemannia - SC Vetschau Vetschau n.a.
13.03.38 MS BV Schipkau - Alemannia 2:3
20.03.38 PS Alemannia - SpVgg Guben 1:2
27.03.38 MS VfL Bückgen-Grube Ilse - Alemannia 0:1
03.04.38 MS Alemannia - SV 1919 Petershain 2:1
22.05.38 AR SV Blau-Weiß Lübben-Treppendorf - Alemannia 2:1
26.05.38 AR Alemannia - SV Blau-Weiß Lübben-Treppendorf ausgef.
05.06.38 AR Alemannia - SC Spremberg 1896 1:0
12.06.38 TS Alemannia - SpVgg Calau 1:1

 

Abschlusstabelle:

Pl. Mannschaften Sp Tore Punkte
01. FC Alemannia Großräschen 16 35:20 23:9
02. BC Erika 16 46:23 21:11
03. VfL Bückgen-Grube Ilse 16 36:23 20:12
04. Tschft. Lautawerk 16 36:29 16:16
05. TV 1862 Finsterwalde 16 28:33 16:16
06. SVgg 1924 Annahütte 16 36:32 15:17
07. SV Hoyerswerda 1919 16 33:29 14:18
08. SV 1919 Petershain 16 19:37 11:21
09. BV Schipkau 16 24:64 7:25

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Statistiken und Spielberichte

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