Saison 1936/37

FC Alemannia Großräschen in der Saison 1936/37

Von links: E. Wilde (Vereins-Führer), R. Priem, H. Eisermann, ?. Priem, O. Katsch, G. Krüger, E. Müller, K. Katsch, P. Franke, E. Brychcy, H. Swat, O. Görsdorf, F. Perlinski

Liga: Bezirksklasse Lausitz / Abteilung Ost

 

Die Spielzeit 1935/36 mit dem 3. Abschlussrang hatte im Umfeld des FC Alemannia Großräschen die Hoffnung auf eine ähnlich erfolgreiche Meisterschaft 1936/37 genährt. Leider konnten die Erwartungen durch den personellen Aderlass (Einberufungen zur Wehrmacht und den Reichsarbeitsdienst) während der Saison nicht erfüllt werden. Der Spielausschuss schüttelte in der Sommerpause die Mannschaften der Lausitz mal wieder gehörig durcheinander und nahm auf territoriale Interessen keinerlei Rücksicht. So wurden beispielsweise der FC Alemannia Großräschen und der SV Marga in die Oststaffel eingegliedert, während die Ortsnachbarn FC Ilse 1930 (als Aufsteiger) und VfB Senftenberg 1910 in der Staffel West spielen mussten. Auch die Cottbuser und Forster Mannschaften teilte man auf beide Staffeln auf. Nach einer durchwachsenen Sommervorbereitung mit zwei Niederlagen und nur einem Erfolg in Hoyerswerda und nachdem man am 1. Spieltag pausierte, startete der FC Alemannia Großräschen am 20. September mit einer 1:2-Heimniederlage gegen den VfB Klettwitz in die neue Saison. Es folgte jedoch eine Woche später ein 2:1-Auswärtserfolg in Welzow. Und als gar die beiden anschließenden Partien zu Hause gegen Brandenburg Cottbus (1:0) und Kunzendorf (5:1) gewonnen wurden und man dem Altmeister FC 1901 Forst mit einem torlosen Remis einen Punkt auf deren Platz abtrotzte, schien die Großräschener Fußballwelt noch in Ordnung, denn schließlich lag man aussichtsreich nach dem 5. Spieltag auf Platz 3. Nun erwartete man den großen Favoriten und Tabellenführer Cottbuser SC Friesen. In einem hochklassigen und dramatischen Spiel verlor Alemannia unglücklich mit 0:1. Ähnlich verlief der Kampf eine Woche später beim Tabellenzweiten in Marga (1:3). 0:4-Punkte lautete trotz anerkennenswerter Leistungseinschätzung der Gegner das nüchterne Fazit aus den beiden Partien gegen die Topfavoriten der Liga. Nun sollte es aber beim Tabellenletzten SC Spremberg zurück in die Erfolgsspur gehen. Aber denkste! Mit einer glatten 0:3-Niederlage gelangte man endgültig auf den harten Boden der Realität zurück. Vorbei waren mit einem Schlag die positiven Aspekte. Bis zum Jahreswechsel folgten weitere drei Niederlagen und nur noch ein mickriges Unentschieden zu Hause gegen Askania Forst (1:1). Das bedeutete den Absturz auf Rang 8, punktgleich mit dem Drittletzten Askania Forst, und somit der Eintritt in den Abstiegskampf. Der Beginn des Jahres 1937 ließ für den FC Alemannia Großräschen noch einmal Hoffnung aufkeimen, denn gegen den SC Spremberg gelang ein glatter 4:0-Heimsieg und auch das 1:1-Unentschieden eine Woche später im weit entfernten Kunzendorf (heute Polen) konnte man als Erfolg werten. Dann ging aber den Großräschenern allmählich die sprichwörtliche Luft aus. Nun konnten die personellen Verluste durch die Einberufungen zum Wehr- und Reichsarbeitsdienst nicht mehr gleichwertig kompensiert werden. Nach einer 0:8-Klatsche beim Tabellenprimus Cottbuser SC Friesen folgte eine weitere bittere Niederlage in heimischen Gefilden gegen Annahütte, denn man schenkte eine eigene 3:0-Führung am Ende noch her und verlor mit 3:4. Auswärts lief es dagegen besser, was die beiden Siege bei Askania Forst (1:0) und beim VfB Klettwitz (4:2) bewiesen. Zwischen diesen Partien stand noch das Tschammer-Pokalspiel gegen den FC Ilse 1930 auf dem Programm. Wie schon zwei Jahre zuvor hatten erneut die Gäste die Nase vorn und zogen mit einem knappen 2:1-Sieg in die nächste Pokalrunde ein. Mit dem Ausscheiden aus dem Pokalwettbewerb konnte sich der FC Alemannia Großräschen nun ganz dem Abstiegskampf in der Bezirksklasse widmen, denn noch standen die Chancen auf den Klassenerhalt günstig. Zwei Spieltage vor Schluss hatte man noch zwei Punkte Vorsprung vor den Abstiegsplätzen. Diese Zone rückte jedoch näher, als es beim direkten Konkurrenten Brandenburg Cottbus eine 1:2-Niederlage setzte. Aber es gab ja noch eine Partie zu Hause gegen Eintracht Welzow – ein wahres Abstiegsendspiel! Leider machten die Nerven den Alemannen einen Strich durch die Rechnung, denn trotz drückender Überlegenheit musste man dem Gegner einen 2:1-Sieg überlassen. Da auch die Konkurrenz die Gunst der Stunde nutzte und fleißig punktete, fiel der FC Alemannia Großräschen nach dem letzten Meisterschaftsspiel auf den drittletzten Platz zurück, was zu diesem Zeitpunkt den Abstieg bedeutete. Ein Funke Resthoffnung auf einen Verbleib in der Bezirksklasse blieb dennoch bestehen, denn man musste ja erst noch die endgültigen Funktionärsentscheidungen aus Berlin abwarten.

Meister der Staffel Ost der Bezirksklasse Lausitz wurde, wie bereits erwähnt, mit großem Vorsprung der Cottbuser SC Friesen vor dem SV Marga und dem VfB Klettwitz. In der Weststaffel setzte sich der SV Amicitia 1900 Forst, eine zu dieser Zeit stark von Unternehmern der Tuchmacherindustrie unterstützte Mannschaft, vor der SpVgg Forst und der SpuSVgg Döbern durch. Während der Cottbuser SC Friesen als Sieger der Aufstiegsrunde zur Gauliga Berlin-Brandenburg aufstieg, blieb der SV Amicitia 1900 Forst als Vierter auf der Strecke und musste somit in der nächsten Saison erneut in der Bezirksklasse starten.

In der 1. Kreisklasse Senftenberg, die erneut in zwei Staffeln spielte, setzten sich am Ende der SC Hertha 1915 Hörlitz (Nord) und der BC Erika (Süd) durch. Die notwendigen Qualifikationsspiele zur Ermittlung des Teilnehmers an der Aufstiegsrunde zur Bezirksklasse wurden dann eine eindeutige Sache für den Nordvertreter. Im ersten Spiel in Erika gewannen die Hörlitzer glatt mit 5:1 und auch im Rückspiel in Hörlitz blieb man mit 6:1 deutlich überlegen. In der anschließenden Aufstiegsrunde trumpfte der Senftenberger Vertreter weiter auf und setzte sich am Ende klar vor dem SC Wacker 09 Ströbitz und dem SV Blau-Weiß Lübben-Treppendorf durch. Allerdings lief diese Aufstiegsrunde bis zum 12. September, also bis weit in die neue Serie 1937/38 hinein. Das müsste man sich heute mal vorstellen – Hertha Hörlitz wurde in die Bezirksklasse eingegliedert, als dort bereits schon der zweite Spieltag absolviert war.

In der Zeit der ganzen Aufstiegsrunden und Qualifikationsspiele stand noch ein anderes sportliches Ereignis im Mittelpunkt des Interesses, und zwar ein durch den Gau Berlin-Brandenburg geplantes Gau-Sportfest, welches vom 19. bis 27. Juni 1937 auf dem Reichssportfeld in Berlin stattfinden- und wahrscheinlich so eine Art Mini-Olympiade in Anlehnung an die Olympiade 1936 in Berlin darstellen sollte. Bei diesem Sportfest wollte man also sämtliche damals gängigen Sportarten in einem Rahmenprogramm zusammenfassen. Dazu zählte dann natürlich auch ein Finale im Fußball. So mussten also im Vorfeld alle Mannschaften des Gaues Berlin-Brandenburg (von der untersten Kreisklasse bis zur Gauliga) zu Pflichtspielen antreten, um zunächst auf Kreisebene und später auf Gauebene die beiden Vertreter für dieses Endspiel zu ermitteln. Dies traf in den ersten Runden zunächst nur auf mäßiges Interesse der höherklassigen Mannschaften, die lieber zu den lukrativeren Gesellschaftsspielen angetreten wären. So war es wenig verwunderlich, dass die Bezirks- und Gauligisten in den ersten Runden zumeist mit besseren B-Mannschaften antraten und sich im Weiterkommen öfters mehr als schwer taten. Da bildete auch der FC Alemannia Großräschen keine Ausnahme. In Ruhland (Runde 1) fehlten 4 Stammspieler, es reichte dennoch zu einem mühsamen 2:1-Sieg beim Drittletzten der 1. Kreisklasse-Nord. Anschließend gastierte der SC Senftenberg 2, ebenfalls ein Vertreter der 1. Kreisklasse-Nord, in Großräschen, bestimmte über weite Strecken die Partie, vergaß allerdings das Toreschießen und fing sich am Ende durch die routinierteren Alemannen noch drei Treffer ein. Auch der nächste Gegner, diesmal aus der Südstaffel der 1. Kreisklasse, der SC Germania Bernsdorf bildete keinen Stolperstein und musste geschlagen die Heimreise antreten (4:1). Im Viertelfinale des Kreismaßstabes ging die Reise nun zum VfB Senftenberg. Obwohl die Einheimischen stets überlegen agierten, gewannen die Gäste auch hier mit 2:1. Da der Wettbewerb mit einer nicht angepassten Anzahl an Mannschaften gestartet wurde, hatte Alemannia das Glück, für das Kreis-Halbfinale ein Freilos zu erhalten. Im zweiten Spiel der Vorschlussrunde trafen die beiden Spitzenteams von Klettwitz und Marga aufeinander, welches die Marganer mit 3:1 gewannen. So traten am 12. Mai, einem Mittwoch-Abend, beide langjährigen Rivalen zum Kreis-Finale in Senftenberg an. Kurz nach der Pause erzielte Otto Görsdorf vor 800 Zuschauern den entscheidenden Treffer, auch weil Räschens Keeper Erich Müller einen Strafstoß der Marganer drei Minuten vor dem Ende abwehrte und somit den Gewinn des, wenn man es so nennen will, "Kreis-Pokals" sicherstellte. Nun ging es mit den Spielen auf Lausitzer Ebene weiter. Am Pfingstmontag weilte die Soldatenelf von Lübben-Treppendorf als Sieger der Region Spreewald/Luckau in Großräschen. Bei brütender Hitze behielt der FC Alemannia Großräschen mit einem klaren 4:0 auch hier die Oberhand. Im Lausitzer Endspiel gastierte man dann am 22. Mai beim Cottbuser FV 1898, erwischte da allerdings einen rabenschwarzen Tag und hatte mit einem deutlichen 0:5 das Nachsehen. Die gauweiten Halbfinals bestritten anschließend der SV Nowawes 03 gegen Viktoria Berlin und der Spandauer SV gegen den Cottbuser FV. Während sich Nowawes souverän mit 5:1 durchsetzte, brauchte der Lausitzer Vertreter ein Wiederholungsspiel, um ebenfalls ins Finale einzuziehen. Dieses wurde dann im Rahmen des Gau-Sportfestes am 23. Juni ausgetragen und endete mit einem klaren 7:1-Erfolg des SV Nowawes.

Für den FC Alemannia Großräschen bedeutete das Vordringen bis in die drittletzte Runde zwar einen schönen Achtungserfolg in diesem Pokalwettbewerb, am Ende überwog aber doch die Enttäuschung über das schlechte Abschneiden in der Meisterschaft der Bezirksklasse-Ost.

 

 

Trainer: /

 

Spiele:

16.08.36 TS Alemannia - SVgg Eintracht Welzow  2:4
23.08.36 TS SpuSVgg Döbern - Alemannia 5:3
30.08.36 TS SV Hoyerswerda 1919 - Alemannia 2:4
20.09.36 MS Alemannia - VfB Klettwitz 1913 1:2
27.09.36 MS SVgg Eintracht Welzow - Alemannia 1:2
04.10.36 MS Alemannia - FV Brandenburg 1899 Cottbus 1:0
11.10.36 MS Alemannia - SC Kunzendorf 5:1
18.10.36 MS FC 1901 Forst - Alemannia 0:0
25.10.36 MS Alemannia - Cottbuser SC Friesen 0:1
01.11.36 MS SV Marga - Alemannia 3:1
08.11.36 MS SC Spremberg 1896 - Alemannia 3:0
22.11.36 MS Alemannia - FC Askania 1901 Forst 1:1
29.11.36 MS Alemannia - SV Marga 0:1
06.12.36 MS SVgg 1924 Annahütte - Alemannia 2:0
13.12.36 MS Alemannia - FC 1901 Forst 1:2
27.12.36 MS VfB Klettwitz 1913 - Alemannia ausgef.
10.01.37 MS Alemannia - SC Spremberg 1896 4:0
17.01.37 MS SC Kunzendorf - Alemannia 1:1
24.01.37 MS Cottbuser SC Friesen - Alemannia 8:0
31.01.37 MS VfB Klettwitz 1913 - Alemannia ausgef.
07.02.37 MS Alemannia - SVgg 1924 Annahütte 3:4
14.02.37 MS FC Askania 1901 Forst - Alemannia 0:1
28.02.37 MS FV Brandenburg 1899 Cottbus - Alemannia ausgef.
07.03.37 PS Alemannia - FC Ilse 1930 1:2
14.03.37 MS VfB Klettwitz 1913 - Alemannia 2:4
21.03.37 MS FV Brandenburg 1899 Cottbus - Alemannia 2:1
26.03.37 MS Alemannia - SVgg Eintracht Welzow 1:2
28.03.37 TS Alemannia - LSV "General Göhring" Berlin-Spandau 2:2
04.04.37 PS

SC Germania 1910 Ruhland - Alemannia

(Gaufest-Pokal / 1. Kreis-Hauptrunde)

1:2
18.04.37 PS

Alemannia - SC Senftenberg 2

(Gaufest-Pokal / 2. Kreis-Hauptrunde)

3:0
02.05.37 PS

Alemannia - SC Germania Bernsdorf

(Gaufest-Pokal / 3. Kreis-Hauptrunde)

4:1
06.05.37 PS

VfB Senftenberg 1910 - Alemannia

(Gaufest-Pokal / Kreis-Viertelfinale)

1:2
12.05.37 PS

SV Marga - Alemannia

(Gaufest-Pokal / Kreis-Finale)

0:1
17.05.37 PS

Alemannia - SV Blau-Weiß Lübben-Treppendorf

(Gaufest-Pokal / 1. Gau-Hauptrunde)

4:0
22.05.37 PS

Cottbuser FV 1898 - Alemannia

(Gaufest-Pokal / Gau-Viertelfinale)

5:0
30.05.37 TS Alemannia - SV 1919 Petershain  

 

Abschlusstabelle:

Pl. Mannschaften Sp Tore Punkte
01. Cottbuser SC Friesen                      20 67:22 35:5
02. SV Marga 20 53:21 31:9
03. VfB Klettwitz 1913 20 57:42 26:14
04. SV Kunzendorf 20 48:58 19:21
05. FC 1901 Forst 20 41:42 18:22
06. FV Brandenburg 1899 Cottbus 20 34:44 18:22
07. SVgg Eintracht Welzow 20 39:49 18:22
08. FC Askania 1901 Forst 20 33:46 17:23
09. FC Alemannia Großräschen 20 27:36 15:25
10. SVgg 1924 Annahütte 20 30:41 12:28
11. SC Spremberg 1896 20 25:58 11:29

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Statistiken und Spielberichte

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