Saison 1935/36

Liga: Bezirksklasse Lausitz / Abteilung West

 

Bevor die Analyse für die Saison 1935/36 folgt, muss man, um diese und die nächsten Saisonen sportlich auch richtig einordnen zu können, die politischen Entwicklungen vor allem im Sommer und Herbst 1935 mit in Betracht ziehen. Hier geht es hauptsächlich um die militärische Geschichte jener Zeit. Nach dem Ende des 1. Weltkrieges durfte Deutschland lediglich eine Berufsarmee mit 100000 Mann unterhalten, eine allgemeine Wehrpflicht war verboten. Obwohl es bereits in der Weimarer Republik (1919 – 1933) heimliche Aufrüstungsbestrebungen gab, wurden diese nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten ohne weitere Heimlichkeiten und damit die Bestimmungen des Versailler Vertrages brechend forciert. Der willkommende Grund bildete die Genfer Abrüstungskonferenz, die mit Unterbrechungen vom 2. Februar 1932 bis zum 11. Juni 1934 stattfand. Nach provozierten Streitigkeiten verließ das Deutsche Reich diese Konferenz, trat anschließend als gewollte Konsequenz im Oktober 1933 auch aus dem Völkerbund (einem Vorgänger der heutigen UN) aus und fühlte sich fortan nicht mehr an die Bedingungen des Versailler Vertrages gebunden. Am 16. März 1935 folgte mit dem "Gesetz für den Aufbau der Wehrmacht" die Wiedereinführung der allgemeinen Wehrpflicht.

Diese sollte zunächst für die Dauer von einem Jahr bestehen, wurde aber bereits im August 1936 auf zwei Jahre verlängert. Die ersten Rekruten stellte der Jahrgang 1914. Neben der Armee erfolgte am 26. Juni 1935 mit dem "Gesetz für den Reichsarbeitsdienst" (RAD) auch noch der Aufbau einer weiteren paramilitärähnlichen Organisation. In ihr mussten junge Männer im Alter von 18 bis 25 Jahren vor der Einberufung zur Wehrmacht für mindestens 6 Monate dienen und wurden bereits dort mit entsprechenden Aktionen auf den Wehrdienst vorbereitet. Für die Fußballvereine bedeutete dies natürlich ab sofort einen gewaltigen personellen Einschnitt, da schlichtweg der Nachschub "von unten" von nun an wegbrach. Gerade in den Kriegsjahren blieben diese jungen Leute dauerhaft unter Waffen und sahen ihre Heimat höchstens im eigenen Urlaub wieder. Viele Vereine wurden dadurch ihrer Basis beraubt und mussten dann später notgedrungen aus Personalmangel den Spielbetrieb einstellen. Daher sollte man das Abschneiden der Mannschaften aus rein sportlicher Sicht ab diesem Zeitpunkt sehr vorsichtig bewerten!

Von diesen Zukunftssorgen war jedoch im Sommer 1935 noch nichts zu spüren und alles ging zunächst seinen gewohnten Gang weiter. Mit der am 23. Juli 1935 erlassenen neuen Polizeiverordnung wurden nun auch die konfessionellen und letzten eigenständigen Sportverbände "Deutsche Jugendkraft" (DJK, katholisch) und "Eichenlaub" (evangelisch) verboten, man gestattete den Vereinen jedoch, dem DFB beizutreten. Damit war die Gleichschaltung im Fußball endgültig vollendet und fortan existierte nur noch der "Deutsche Fußball Bund" als offizieller Verband, was auch bis heute so anhält. Ob die Auflösung der DJK Großräschen im Sommer 1935 mit diesem Verbot im Zusammenhang steht, liegt leider noch im Unklaren. Auf alle Fälle trat die Mannschaft zur Meisterschaft der 2. Kreisklasse Süd trotz vorheriger Meldung nicht mehr an (wie die DJK Senftenberg im übrigen auch nicht mehr).

Der FC Alemannia Großräschen, dem Abstieg in der Vorsaison nur durch günstige Funktionärsentscheidungen aus Berlin (doch noch Beibehaltung von zwei Staffeln) gerade so noch einmal entronnen, wollte sich in der Spielzeit 1935/36 natürlich seinen Zuschauern besser präsentieren. Beim Sportfest des FC Viktoria 1911 Kostebrau während der Vorbereitungszeit gelang ein vielversprechender Turniersieg, was die Hoffnung auf einen positiven Saisonverlauf stärkte. Zum Meisterschaftsstart gab es einen überraschenden 3:1-Sieg gegen den späteren Meister SV Hoyerswerda. Dies entpuppte sich jedoch nur als Strohfeuer, denn bis zum 7. Spieltag folgten lediglich noch zwei Unentschieden zu Hause gegen Wacker Ströbitz (0:0) und beim VfB Senftenberg (1:1). Dann aber brach er an der goldene Herbst und Winter. Nun startete der FC Alemannia Großräschen vom drittletzten Platz aus unwiderstehlich in Richtung Tabellenspitze durch. Siege über Brandenburg Cottbus (3:0), dem BC Erika (3:1) und dem Cottbuser FV (2:1) sowie ein 1:1-Unentschieden in Annahütte katapultierten Alemannia bis Jahresende auf den 4. Rang. Auch der Start ins Jahr 1936 war mit einem 4:2-Heimerfolg gegen die SVgg 1924 Annahütte erfolgreich. Im nächsten Spiel sollte es nun zum klaren Tabellenführer nach Hoyerswerda gehen. Trotz der besseren Leistung verlor man die Partie aber unglücklich mit 0:1, und als man eine Woche darauf in Finsterwalde sogar mit 0:4 unterging, schien der Höhenflug abrupt beendet zu sein. Zum Glück startete aber nun die Zwischenrunde im Tschammerpokal und der FC Alemannia Großräschen bekam zu Hause den Bezirksklassen-Vertreter der Oststaffel, den SC Viktoria Cottbus 1897, zugelost. Es lief auch weiterhin nicht alles rund, aber am Ende duselte man sich trotzdem zum Weiterkommen (2:1). Damit war der Erfolg zurück und somit stieg natürlich auch wieder das Selbstvertrauen. Es folgten Liga-Auswärtssiege in Ströbitz (3:1) und in Erika (5:3) sowie ein starkes 6:0 in heimischen Gefilden gegen den VfB Senftenberg. Die Erfolgsserie riss auch in der nächsten Pokalrunde nicht ab, denn der FC Askania 1901 Forst (Bezirksklasse Ost) musste ebenfalls mit einer Niederlage (0:2) die Heimreise antreten. Als am 8. März auch noch die Meisterschaftspartie beim Cottbuser FV mit 3:1 gewonnen wurde, folgte eine Woche später das finale Spiel um den 2. Platz gegen den SV Marga. Vor 1000 Zuschauern behielten jedoch die Gäste mit 2:1 die Oberhand und sicherten sich somit den Vize-Titel. Dem FC Alemannia Großräschen reichten dann aber zwei weitere Siege, zu Hause gegen den VfB Klettwitz 6:3 und bei Brandenburg Cottbus mit 2:1, um einen sehr starken 3. Abschlussrang in der Bezirksklasse West abzusichern. Neuer Titelträger wurde, wie bereits erwähnt, in ganz souveräner Art und Weise der SV Hoyerswerda 1919, der sich allerdings in seinen letzten Meisterschaftsspielen, als der Titelgewinn schon längst feststand, doch arg hängen ließ. Unerwartete Niederlagen gegen die zu diesem Zeitpunkt noch Abstiegskandidaten Brandenburg Cottbus (0:2) und sogar zu Hause gegen Annahütte (2:5) beeinflussten nicht ganz unwesentlich den Abstiegskampf und sorgten zu Recht für Unmut bei den anderen betroffenen Vereinen. Den traurigen Höhepunkt bildete schließlich die hohe 1:9-Niederlage in Klettwitz. Vielleicht hätte man gut daran getan, die Konzentration auch in diesen Partien hochzuhalten, um so bestens gerüstet in die schwere Aufstiegsrunde zur Gauliga zu gehen. Bei dieser scheiterte der SV Hoyerswerda nämlich als Drittletzter (von 7 Mannschaften) und verblieb somit in der Bezirksklasse Lausitz. Aus derselben mussten am Ende der SC Wacker 09 Ströbitz und der BC Erika absteigen. In den beiden Kreisklassen Senftenbergs ging es äußerst spannend zu. In der Nordstaffel setzte sich Großräschens Ortsnachbar FC Ilse 1930 nur dank des besseren Torverhältnisses gegenüber Viktoria Kostebrau durch, in der Staffel Süd behielt Eintracht Welzow knapp die Oberhand. Die Entscheidungsspiele um die Kreismeisterschaft wurden dann aber eine eindeutige Sache für den FC Ilse. 4:1 zu Hause und 6:2 in Welzow lauteten die klaren Ergebnisse und damit einhergehend der Gewinn des Kreismeistertitels. Zur Bezirksklasse durften am Ende aber beide Mannschaften aufsteigen.

Einen Höhepunkt für die Großräschener gab es am Saisonende aber noch. In der dritten Zwischenrunde um den Tschammerpokal wollte es das Los so, dass der FC Alemannia Großräschen beim Gauligisten SV Nowawes 03 (heute SV Babelsberg 03) antreten musste (zum selben Termin weilte übrigens der VfB Senftenberg bei Hertha BSC Berlin und verlor dort mit 0:6). Trotz guter Leistung reichte es gegen den klassenhöheren Gegner nicht ganz, man schied jedoch mit "nur" 1:3 ehrenvoll aus dem Pokalwettbewerb aus. Diese Niederlage änderte aber nichts mehr am letztlich positiven Verlauf der Saison 1935/36 aus Großräschener Sicht.

 

 

Trainer: /

 

Spiele:

17.08.35 TS BC Erika - Alemannia 1:2
25.08.35 TS

Alemannia - SVgg Eintracht Werminghoff

(Sportfest in Kostebrau - 1. Turnierspiel)

6:1
25.08.35 TS

FC Viktoria 1911 Kostebrau - Alemannia

(Sportfest in Kostebrau - 2. Turnierspiel)

0:0
01.09.35 MS Alemannia - SV Hoyerswerda 1919 3:1
15.09.35 MS SV Marga - Alemannia 4:0
22.09.35 MS Alemannia - SpVgg Finsterwalde 0:2
29.09.35 MS VfB Klettwitz 1913 - Alemannia 3:1
06.10.35 MS Alemannia - SC Wacker 09 Ströbitz 0:0
20.10.35 MS VfB Senftenberg 1910 - Alemannia 1:1
27.10.35 MS Alemannia - FV Brandenburg 1899 Cottbus 3:0
03.11.35 MS SVgg 1924 Annahütte - Alemannia 1:1
10.11.35 MS Alemannia - BC Erika 3:1
17.11.35 MS Alemannia - Cottbuser FV 1898 2:1
20.11.35 TS

BV Zschipkau - Alemannia

(Solidaritätsspiel für das Winterhilfswerk)

2:2
12.01.36 MS Alemannia - SVgg 1924 Annahütte 4:2
19.01.36 MS SV Hoyerswerda 1919 - Alemannia 1:0
26.01.36 MS SpVgg Finsterwalde - Alemannia 4:0
02.02.36 PS Alemannia - SC Viktoria 1897 Cottbus 2:1
09.02.36 MS SC Wacker 09 Ströbitz - Alemannia 1:3
16.02.36 MS Alemannia - VfB Senftenberg 1910 6:0
23.02.36 MS BC Erika - Alemannia 3:5
01.03.36 PS Alemannia - FC Askania 1901 Forst 2:0
08.03.36 MS Cottbuser FV 1898 - Alemannia 1:3
15.03.36 MS Alemannia - SV Marga 1:2
22.03.36 MS Alemannia - VfB Klettwitz 1913 6:3
05.04.36 PS SV Nowawes 03 - Alemannia 3:1
19.04.36 TS FC Ilse 1930 - Alemannia 1:1
03.05.36 MS FV Brandenburg 1899 Cottbus - Alemannia 1:2
10.05.36 TS SpVgg Calau - Alemannia 2:4
16.05.36 TS

Alemannia - FC Ilse 1930

(Sportfest Alemannia Großräschen)

5:0
17.05.36 TS

Alemannia - TSV Weißwasser

(Sportfest Alemannia Großräschen)

1:3
24.05.36 TS Alemannia - SpVgg Guben 2:2
07.06.36 TS Alemannia - SC Spremberg 1896 1:1
14.06.36 TS SpVgg Guben - Alemannia 6:2
27.06.36 TS

SV Marga - Alemannia

(Platzweihe in Marga)

2:0
28.06.36 TS

Alemannia - SVgg 1924 Annahütte

(Platzweihe in Marga)

1:2

 

Abschlusstabelle:

Pl. Mannschaften Sp Tore Punkte
01. SV Hoyerswerda 1919                       20 52:37 30:10
02. SV Marga 20 39:21 25:15
03. FC Alemannia Großräschen 20 44:32 25:15
04. VfB Klettwitz 1913 20 56:36 23:17
05. Cottbuser FV 1898 20 31:26 22:18
06. SpVgg Finsterwalde 20 48:35 21:19
07. FV Brandenburg 1899 Cottbus 20 41:45 17:23
08. VfB Senftenberg 1910 20 26:39 17:23
09. SVgg 1924 Annahütte 20 37:48 16:24
10. BC Erika 20 32:54 12:28
11. SC Wacker 09 Ströbitz 20 21:58 12:28

==============================================

Statistiken und Spielberichte

FC Alemannia Großräschen

folgen...

Schiedsrichter gesucht!

Besucher seit 03/2012

Druckversion Druckversion | Sitemap Diese Seite weiterempfehlen Diese Seite weiterempfehlen
© SV Großräschen e. V. - Abteilung Fußball - 2012