Saison 1934/35

Liga: Bezirksklasse Lausitz / Abteilung West

 

Nach dem sensationellen Abschneiden in der letzten Saison war die Euphorie im Lager des FC Alemannia Großräschen natürlich groß und alle hofften auf eine Fortsetzung der positiven Entwicklung. Bevor es Anfang September 1934 aber losging, machte sich eine Aufspaltung der Bezirksklasse Lausitz in eine Abteilung West und Ost notwendig. Dazu gab es mehrere Gründe. Der Fusionsverein FV Cottbus-Süd stieg nach nur einem Jahr wieder aus der Gauliga Berlin-Brandenburg ab und zerfiel daraufhin in die früheren Vereine Cottbuser SC Friesen und Cottbuser FV 1898. Beiden erhielten einen Startplatz in der Bezirksklasse. Ebenfalls nach nur einem Jahr wurde der Landkreis Hoyerswerda vom Gau Sachsen in den Gau Berlin-Brandenburg eingegliedert. Somit kamen die Vereine Hoyerswerdaer SV 1919, TSV Weißwasser und DJK Wittichenau neu hinzu. Und schlussendlich gestand man allen Kreismeistern und Zweitplatzierten zu, direkt zur Bezirksklasse aufsteigen zu dürfen. Durch dieses Mehr an Vereinen gab es nun eigentlich gar keine andere sportlich fairere Lösung als die Aufspaltung in zwei Abteilungen. Allerdings wurde schon vor dem Saisonstart durch den Spielausschuss darauf hingewiesen, dass das Ziel die Wiederherstellung einer eingleisigen Bezirksklasse bliebe. Somit war vom Meisterschaftsstart an gleich ordentlich "Druck auf dem Kessel", denn diese Ankündigung bedeutete ja im Umkehrschluss, dass es eine erhöhte Anzahl an Absteigern geben würde. Der FC Alemannia Großräschen konnte die im Vorfeld gesetzten hohen Erwartungen leider nicht erfüllen und kam während des gesamten Spielzeit auf keinen grünen Zweig. Verlief der Saisonstart mit 4:4-Punkten noch halbwegs passabel, zeigte die Tabellenkurve im weiteren Verlauf der Hinrunde nach unten. Negativer Höhepunkt war sicherlich die 0:5-Heimpleite gegen den Hoyerswerdaer SV 1919. Somit fand man sich zur Halbzeit auf einem enttäuschenden vorletzten Tabellenplatz wider. Zwar verlief der Start zur Rückserie mit einem 5:1-Heimsieg gegen den Cottbuser FV 1898 vielversprechend, aber da in der Folgezeit keine weiteren Doppelpunkte mehr hinzukamen, rückte der vermeintliche Abstieg immer näher. Dann aber der Paukenschlag am 27. Januar 1935, als man die DJK Wittichenau zu Hause mit 7:1 vom Platz fegte. Dies setzte offensichtlich neue Kräfte frei, denn die folgenden beide Partien bei Wacker Ströbitz (3:1) und in Klettwitz (3:2) konnten überraschend gewonnen werden und urplötzlich war der rettende 8. Platz wieder in Reichweite. Um diesen kämpfte nun der FC Alemannia Großräschen an den letzten beiden Spieltagen in einem Fernduell mit dem Cottbuser FV 1898. Im nächsten Heimspiel ging es zunächst gegen die SpVgg Finsterwalde, die zwar 3 Punkte Vorsprung auf die Abstiegszone besaßen, bei einer eigenen Niederlage aber noch einmal mächtig mit in den Strudel hereingerissen worden wären. Entsprechend brisant war das Duell. In einer zähen Auseinandersetzung waren die Finsterwalder am Ende die Glücklicheren, gewannen mit 1:0 und erkämpften sích somit den endgültigen Klassenerhalt. Da der Cottbuser FV gleichzeitig mit 1:5 bei Amicitia Forst (deren Spielgemeinschaft mit Deutschland Forst wurde am 20. Oktober 1934 ebenfalls aufgelöst und sie spielten fortan wieder eigenständig als SV Amicitia 1900 Forst weiter) unterlag, blieb vor dem letzten Spieltag alles beim Alten. Noch stand Alemannia knapp über dem Strich, denn man hatte das bessere Torverhältnis (im Divisionsverfahren) gegenüber dem Konkurrenten. Der letzte Gegner hieß nun zu Hause VfB Klettwitz und der war hoch motiviert, die erst vor wenigen Wochen erlittene Heimpleite wettzumachen. Diese Partie am 3. März fand unter winterlichen Bedingungen statt, mit denen die Gäste offensichtlich besser zurecht kamen, denn sie gingen am Ende als 4:2-Sieger vom Platz. Nun hoffte alles im Großräschener Lager auf ein günstiges Resultat aus Cottbus, denn da empfing der Cottbuser FV zu Hause Wacker Ströbitz. Schwere Ernüchterung machte sich allerdings breit, als die Kunde vom 3:0-Heimsieg durchsickerte. Das schien der vermeintliche Abstieg zu sein. Ein kollektives Aufatmen erfolgte dann aber am 16. Juni, als bei einer Gautagung in Berlin beschlossen wurde, die Bezirksklasse Lausitz auch für die kommende Saison 1935/36 bei zwei Staffeln zu belassen. Somit stiegen nur die beiden jeweils Letztplatzierten der Abteilungen Ost und West endgültig ab. Der FC Alemannia Großräschen war gerettet und entging damit nur ganz knapp dem Schicksal des Ortsnachbarn FC Ilse 1930, der in seinem ersten Bezirksklassenjahr überhaupt reichlich Lehrgeld zahlte und als Schlusslicht der Staffel Ost in die Kreisklasse Senftenberg zurückkehren musste. Dem SV Marga gelang als Aufsteiger der Durchmarsch und man wurde vor dem SV Hoyerswerda 1919 Meister der Abteilung West. Gemeinsam mit dem Sieger der Oststaffel, dem Cottbuser SC Friesen, nahm man an der Aufstiegsrunde zur Gauliga Berlin-Brandenburg teil, scheiterte aber bei dieser. In der 1. Kreisklasse Senftenberg, die ebenfalls in zwei Staffeln spielte, setzten sich im Norden die SVgg 1924 Annahütte und im Süden der BC Erika durch. Beide Vereine stiegen direkt zur Bezirksklasse auf.

Ende des Jahres 1934 verkündete Reichssportführer Hans von Tschammer und Osten, einen Pokal zu stiften, um den alle Vereine in einem Wettbewerb kämpfen konnten. Dieser sollte 1935 starten und von da an in jedem Kalenderjahr ausgespielt werden. Anders als heute fand der Tschammer-Pokal, so wie er fortan genannt- und später als DFB-Pokal fortgeführt wurde, aber nicht analog der Meisterschaft (Saison) statt, sondern er sollte als unabhängige und eigenständige Veranstaltung über das gesamte Jahr erfolgen. Der Modus war einfach und leicht verständlich. Zu Beginn eines Jahres spielten die Kreisklassenmannschaften in drei oder vier Vorrunden ihre Teilnehmer aus, die dann in den Zwischenrunden mit den Teams aus den Bezirksklassen eines jeden Gaus gepaart wurden. Die siegreichen Vertreter eines jeden Gaus fasste man anschließend mit den dazugehörigen Gauligisten (außer den Gaumeistern) zu Gaugruppen, in der Regel drei oder vier, zusammen und ermittelte in weiteren drei bzw. vier Hauptrunden die Teilnehmer an den Schlussrunden. Diese finalen Runden (nun auch mit den Gaumeistern) fanden dann reichsweit statt (das Finale stets zum Jahresende). Als Bezirksklassenvertreter startete der FC Alemannia Großräschen am 31. März in der 1. Zwischenrunde in den Premierenwettbewerb und traf, wie es das Los so wollte, ausgerechnet auf den Ortsnachbarn FC Ilse 1930. Die Partie auf dem Alemannia-Platz lockte 500 Zuschauer an, die einen spannenden Pokalfight erlebten. Lange Zeit blieb es torlos, ehe Altenburg die Gäste drei Minuten vor dem Ende vermeintlich in die nächste Runde schoss. Aber gleich im Gegenzug konnte Krüger mit einem Distanzschuss den Ilse-Keeper bezwingen und das erneute Unentschieden erzwingen. Dabei blieb es auch nach der Verlängerung, so dass ein Wiederholungsspiel stattfinden musste. Dieses stieg dann 14 Tage später und verlief ähnlich ausgeglichen wie das erste Aufeinandertreffen. Das einzige Tor fiel allerdings leider auf der Heimseite und so musste Alemannia mit einer 0:1-Niederlage die Segel bereits nach der ersten Runde streichen.

Neben dem Tschammer-Pokal gab es 1935 noch einen weiteren Wettbewerb und zwar den um den sogenannten "Kube-Ehrenschild", an dem alle Vereine des Gaus Berlin-Brandenburg teilnahmen. Richard Paul Wilhelm Kube war von 1933 bis 1936 Oberpräsident von Berlin-Brandenburg und stiftete einmalig diesen Pokal. Allerdings ist eine statistische Aufarbeitung dieses Wettbewerbes äußerst schwierig, da es zum einen keinen einheitlichen Spielplan gab und zum anderen das Interesse im lokalen "Senftenberger Anzeiger" alles andere als groß war. Der FC Alemannia Großräschen trat in der 1. Hauptrunde am Pfingstmontag zu Hause gegen den FV Brandenburg 1899 Cottbus an und verlor glatt mit 1:3. Da hatte das Freundschaftsspiel am Tag zuvor in Elsterwerda (7:1) wohl doch zu viel Kraft gekostet. Dieser Wettbewerb zog sich dann noch bis zum Anfang des Jahres 1936, also bis weit in die nächste Spielserie hinein, hin. Im Halbfinale blieben der Cottbuser SC Friesen mit einem 2:0 über den SV Nowawes 03 (heute Babelsberg 03) und der Berliner SV 1892 mit einem 3:2 beim SC Minerva 1893 Berlin erfolgreich und bestritten am 26. Januar 1936 das Finale in Cottbus, was dann der Berliner SV klar und deutlich mit 9:2 gewann und somit einzigster Titelträger wurde.

Mit dem jeweiligen Ausscheiden in der 1. Runde der beiden Pokalwettbewerbe rundete der FC Alemannia Großräschen im negativen Sinne die verkorkste Saison 1935/36 ab. Man war jedoch in der Meisterschaft dem Abstieg mit viel Glück noch einmal von der Schippe gesprungen und das sollte Kraft und Zuversicht für die neue Spielzeit geben.

 

 

Trainer: /

 

Spiele:

Daten aus den Monaten August und September 1934 liegen leider noch nicht vor!

30.09.34 MS Alemannia - SpG Deutschland/Amicitia Forst 6:3
07.10.34 MS Cottbuser FV 1898 - Alemannia 3:1
14.10.34 MS VfB Klettwitz 1913 - Alemannia 5:11
28.10.34 MS DJK Wittichenau - Alemannia 3:1
04.11.34 MS Alemannia - SC Wacker 09 Ströbitz 1:1
11.11.34 MS SpVgg Finsterwalde - Alemannia 2:0
18.11.34 MS Alemannia - SV Hoyerswerda 1919 0:5
25.11.34 MS Alemannia - Cottbuser FV 1898 5:1
02.12.34 MS SV Amicitia 1900 Forst - Alemannia 3:1
09.12.34 MS Alemannia - SpVgg Calau 0:0
16.12.34 MS SV Hoyerswerda 1919 - Alemannia 4:1
23.12.34 MS Alemannia - VfB Klettwitz 1913 ausgef.
30.12.34 MS Alemannia - SV Marga 1:3
06.01.35 MS SpVgg Forst - Alemannia 7:2
13.01.35 MS Alemannia - SpVgg Finsterwalde ausgef.
27.01.35 MS Alemannia - DJK Wittichenau 7:1
03.02.35 MS SC Wacker 09 Ströbitz - Alemannia 1:3
17.02.35 MS VfB Klettwitz 1913 - Alemannia 2:3
24.02.35 MS Alemannia - SpVgg Finsterwalde 0:1
03.03.35 MS Alemannia - VfB Klettwitz 1913 2:4
24.03.35 TS Alemannia - SC Spremberg 1897 3:7
31.03.35 PS

Alemannia - FC Ilse 1930

(Tschammer-Pokal)

1:1 n.V.
07.04.35 TS SC Hertha 1915 Hörlitz - Alemannia 2:1
14.04.35 PS

FC Ilse 1930 - Alemannia

(Tschammer-Pokal / Wiederholungsspiel)

1:0
28.04.35 TS Alemannia - FC Viktoria 1911 Kostebrau 2:4
05.05.35 TS Alemannia - SC Union 1905 Cottbus 5:2
11.05.35 TS

Alemannia - SVgg 1924 Annahütte

(Sportfest Alemannia Großräschen)

3:2
12.05.35 TS

Alemannia - VfB Senftenberg 1910

(Sportfest Alemannia Großräschen)

2:1
19.05.35 TS SC Union 1905 Cottbus - Alemannia 1:4
26.05.35 TS

Alemannia - DJK Großräschen

(zum Olympia-Werbetag)

2:1
02.06.35 TS Alemannia - BC Erika 1:2
09.06.35 TS SpVgg Elsterwerda - Alemannia 1:7
10.06.35 PS

Alemannia - FV Brandenburg 1899 Cottbus

(Pokal um den "Kube-Ehrenschild")

1:3
23.06.35 TS SVgg 1924 Annahütte - Alemannia  

1 Das Spiel wurde bei diesem Stand abgebrochen und neu angesetzt

 

Abschlusstabelle:

Pl. Mannschaften                                     Sp Tore Punkte
01. SV Marga                  20 61:24 31:9
02. SV Hoyerswerda 1919 20 62:23 29:11
03. SV Amicitia 1900 Forst 20 74:38 27:13
04. SpVgg Forst 20 64:41 25:15
05. VfB Klettwitz 1913 20 64:41 23:17
06. SC Wacker 09 Ströbitz 20 33:36 21:19
07. SpVgg Finsterwalde 20 41:51 19:21
08. Cottbuser FV 1898 20 37:48 16:24
09. FC Alemannia Großräschen 20 42:53 14:26
10. SpVgg Calau 20 23:71 9:31
11. DJK Wittichenau 20 25:96 6:34

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Statistiken und Spielberichte

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