Saison 1932/33

Liga: Gau-A-Klasse Senftenberg

 

Die letzte Saison des FC Alemannia Großräschen in der Zuständigkeit der Weimarer Republik verlief klar im Hintergrund der sich anbahnenden gewaltigen politischen Umwälzungen im Land, wurde am Ende aber dennoch sportlich wichtig, da es um notwendige Qualifikationen für das neue Ligensystem ab dem Herbst 1933 ging. Das konnte zum Start der Saison 1932/33 aber noch niemand ahnen. War die gesellschaftspolitische Situation schon schwierig genug, nahm sie mit der Reichstagswahl am 06.11.1932 noch einmal deutlich an Schärfe zu. Nachdem mehrere mögliche Regierungskonstellationen scheiterten, ernannte Reichspräsident Hindenburg am 30. Januar 1933 Adolf Hitler zum Reichskanzler, was seitdem in den Geschichtsbüchern als offizielles Datum für die Machtübernahme der Nationalsozialisten gilt. Der Weg von der Demokratie hin zur Diktatur nahm seinen Lauf und von nun an ging es Schlag auf Schlag. Auf Drängen Hitlers erfolgte am 1. Februar 1933 durch Hindenburg die Auflösung des gerade erst gewählten Reichstages und die Ankündigung von Neuwahlen für den 5. März 1933. Am 27. Februar brannte der Reichstag, in Folge dessen Hindenburg einen Tag später Notverordnungen unterschrieb, die die Meinungs-, Presse- und Versammlungsfreiheit mit sofortiger Wirkung massiv einschränkten. Von diesen Maßnahmen profitierte vor allem die NSDAP, die bereits die Schalthebel der Macht besetzt hielt (z.B. Frick als Innenminister oder Göring als preußischer Inneminister, verantwortlich für den Polizeiapparat). Aber trotz größter Repressionen gegen die politischen Gegner langte es für die NSDAP bei den Neuwahlen mit "nur" 43,9% der Stimmen nicht für die absolute Mehrheit. Um dies zu ändern, wurden nur fünf Tage später auf Basis der Notverordnungen die KPD-Sitze im Reichstag (trotz quasi Verbot erhielten sie immer noch 12,3% der Stimmen) annulliert. Damit die absolute Mehrheit erhaltend, setzten die Nationalsozialisten anschließend am 23. März das sogenannte Ermächtigungsgesetz im Reichstag durch und besiegelten somit endgültig den Gang in die Diktatur. Am 31. März folgte das Gesetz zur Gleichschaltung der Länder. Damit wurden alle Länderparlamente aufgelöst. Die Länder wandelte man später in Gaue um. Anfang Mai besetzte die Polizei die Einrichtungen des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes (ADGB) und löste diese auf, am 22. Juni folgte das Verbot der SPD. Nach der Ausschaltung der kommunistischen Bewegung hatten die Nazis somit nun auch den politischen Arm der Arbeiterschaft, die ja traditionell eher dem linken Spektrum zugeordnet wird, zerschlagen.

Auch für den sportlichen Bereich und auf Vereinsebene hatten diese Veränderungen gravierende Auswirkungen. Als erstes traf es die kommunistischen KG-Vereine, die gleich nach dem Reichstagsbrand bzw. den einen Tag später erlassenen Notverordnungen verboten und aufgelöst wurden. Mit dem Gleichschaltungsgesetz vom 31. März begannen die Nazis, alle bestehenden Organisationen den Zielen des Nationalssozialismus unterzuordnen, in diese zu überführen oder, wenn dies nicht möglich war, zu verbieten. Bereits am 25. März besetzten Polizisten die ATSB-Geschäftsstelle und weitere dazugehörende Institutionen und leiteten damit das Ende der Arbeitersportbewegung ein. Zwar versuchte der ATSB-Vorstand noch mit einigen Schreiben und Erklärungen an die neuen Machthaber, ihre Daseinsberechtigung zu retten, aber es half alles nichts mehr. Am 28. April verbot das sächsische Innenministerium den ATSB in seinem Zuständigkeitsbereich, in Folge dessen dann am 12. Mai die komplette Selbstauflösung des ATSB stattfand. Damit war der Arbeitersport mit all seinen Betätigungsfeldern endgültig Geschichte und sollte auch bis heute nicht wieder auferstehen.

Unter all den genannten Umständen ist es um so erstaunlicher, dass der regionale Spielbetrieb ohne größere Störungen durchgeführt werden konnte. Die erste Entscheidung folgte nach dem Sommerspielverbot am 31. Juli 1932, als der SC Hertha 1915 Hörlitz in der Relegationsrunde mit einem Sieg in Ruhland noch mit dem B-Klassen-Meister FC Ilse 1930 in der Tabelle gleichzog und so ein Entscheidungsspiel um die Ligazugehörigkeit erzwang. Dieses stieg dann am 21. August in Senftenberg, wo sich Hertha Hörlitz knapp mit 3:2 nach Verlängerung durchsetzen konnte und somit in der Gau-A-Klasse verblieb. Den Platz der abgestiegenen Ruhlander nahm der VfB Klettwitz 1913 ein, der die höhere Bezirksliga Niederlausitz ebenfalls nicht halten konnte und somit wieder eine Etage nach unten rutschen musste.

Für den FC Alemannia Großräschen begann die Saison 1932/33 mit einer klaren 2:9-Testspielniederlage zu Hause gegen die SpVgg Finsterwalde. Es folgten in der weiteren Vorbereitung noch jeweils 3:3-Unentschieden in Naundorf und zu Hause gegen Weißagk sowie ein 1:0-Erfolg beim BV Zschipkau. Zum Meisterschaftsauftakt beim Vorjahresmeister VfB Senftenberg hielt Alemannia die Partie bis zur letzten Minute offen und schnupperte an einer Überraschung, ehe die Hausherren mit dem Schlusspfiff den 3:1-Sieg sicherstellten. Eine Woche später gelang gegen die SVgg 1924 Annahütte mit einem 4:2 der erste Erfolg. In Zschipkau setzte es zwar noch einmal eine deftige 1:6-Pleite, doch anschließend folgten drei Siege in Serie (2:0 zu Hause gegen Hörlitz, 3:2 in Naundorf und 5:1 in Neupetershain), was den Rückstand auf den großen Meisterschaftsfavoriten VfB Klettwitz auf zwei Minuspunkte schrumpfen ließ. Und eben dieser erschien am 16. Oktober zum Punktspiel in Großräschen. Vor über 1000 Zuschauern war der Leistungsunterschied am Ende aber wohl doch zu groß, denn die Gäste errangen einen sicheren 7:1-Erfolg. Die Wiedergutmachung blieb dem FC Alemannia Großräschen zum Rückrundenauftakt in Annahütte verwehrt, denn ein irrtümlich zu spät angesetztes Großfeld-Handballspiel zwischen dem MTV Annahütte und der Turnerschaft Ströbitz führte zur Spielabsage. Dieser Ausfall landete anschließend vor dem Sportgericht, dessen Urteil aber erst 1933 fiel, worüber es bis heute leider noch keine Aufzeichnungen gibt. Ein Woche später setzte es gegen den VfB Senftenberg mir 3:4 die nächste Heimniederlage und bei der Ausgeglichenheit der Mannschaften drohte nun kurzzeitig sogar der Abstiegskampf. Aber die Großräschener zogen selbst den Kopf aus der Schlinge, denn die folgenden vier Partien wurden allesamt gewonnen (3:2 in Hörlitz, 5:2 gegen Zschipkau, 5:1 gegen Neupetershain und 4:0 gegen Naundorf). Dies bedeutete vor dem letzten Meisterschaftsspiel den sicheren zweiten Platz, allerdings mit deutlichem Rückstand (4 Punkte) auf den neuen Titelträger VfB Klettwitz 1913. Und eben zu diesem ging es zum Meisterschaftsfinale am 13. November 1932. Alemannia wollte sich dort natürlich nicht mehr so abschlachten lassen wie noch im Hinspiel und konnte bei der Begegnung tasächlich den Nachweis erbringen, dass es im Saisonverlauf eine deutliche Leistungssteigerung innerhalb der Mannschaft gab. Erst zehn Minuten vor dem Ende gelang dem Gastgeber der 2:1-Siegtreffer. Trotz der abschließenden 1:2-Niederlage beendete der FC Alemannia Großräschen die Saison 1932/33 mit einem sehr guten 2. Abschlussrang.

Einen weiteren Grund zum Feiern gab es für die II. Alemannia-Mannschaft, die in der Gau-C-Klasse groß aufspielte und souverän den Meistertitel holte.

Was dann sportlich noch im ersten Halbjahr 1933 passierte, muss leider noch im Dunkeln bleiben, denn in den lokalen Archiven fehlt das komplette Jahr 1933 des "Senftenberger Anzeigers" und somit die Aufzeichnungen über den Regionalsport diesen Jahres.

Trainer: /

 

Spiele:

07.08.32 TS Alemannia - SpVgg Finsterwalde 2:9
14.08.32 TS

SC Wacker Naundorf - Alemannia

(Sportfest in Naundorf)

3:3
21.08.32 TS BV Zschipkau - Alemannia 0:1
28.08.32 TS Alemannia - SVgg 1922 Weißagk 3:3
04.09.32 MS VfB Senftenberg 1910 - Alemannia 3:1
11.09.32 MS Alemannia - SVgg 1924 Annahütte 4:2
18.09.32 MS BV Zschipkau - Alemannia 6:1
25.09.32 MS Alemannia - SC Hertha 1915 Hörlitz 2:0
02.10.32 MS SC Wacker Naundorf - Alemannia 2:3
09.10.32 MS SC Corona 1910 Neupetershain - Alemannia 1:5
16.10.32 MS Alemannia - VfB Klettwitz 1913 1:7
30.10.32 MS SVgg 1924 Annahütte - Alemannia ausgef.
06.11.32 MS Alemannia - VfB Senftenberg 1910 3:4
13.11.32 MS SC Hertha 1915 Hörlitz - Alemannia 2:3
20.11.32 MS Alemannia - BV Zschipkau 5:2
27.11.32 MS Alemannia - SC Corona 1910 Neupetershain 5:1
04.12.32 MS Alemannia - SC Wacker Naundorf 4:0
11.12.32 MS VfB Klettwitz 1913 - Alemannia 2:1

Daten aus dem Jahr 1933 liegen leider noch nicht vor!

 

Abschlusstabelle:

Pl. Mannschaften Sp Tore Punkte
01. VfB Klettwitz 1913                              14 78:13 26:2
02. FC Alemannia Großräschen 13* 38:32 16:10
03. VfB Senftenberg 1910 14 31:33 15:13
04. BV Zschipkau 14 43:52 15:13
05. SC Wacker Naundorf 14 31:38 13:15
06. SVgg 1924 Annahütte 13* 29:43 9:17
07. SC Corona 1910 Petershain 14 23:39 9:19
08. SC Hertha 1915 Hörlitz 14 21:49 7:21

* Sportgerichtsurteil, dessen Ausgang aber noch unbekannt ist

 

 

Zur nächsten Saison 1933/34

 

Zur vorherigen Saison 1931/32

 

Zurück zur Übersicht

==============================================

Statistiken und Spielberichte

FC Alemannia Großräschen

folgen...

Schiedsrichter gesucht!

Besucher seit 03/2012

Druckversion Druckversion | Sitemap Diese Seite weiterempfehlen Diese Seite weiterempfehlen
© SV Großräschen e. V. - Abteilung Fußball - 2012