Saison 1920/21

 

FC Alemannia Großräschen

Liga: IA-Klasse, Staffel D

 

Im Sommer 1920 wurde der Spielbetrieb auch in der Niederlausitz wieder vernünftig reglementiert und die „wilden Ligen“, wie z.B. der „Süd-Gau“ aus der Vorsaison, durch ein strukturiertes Ligensystem ersetzt. Die oberste regionale Spielklasse blieb die Bezirksliga Niederlausitz, der zu dieser Zeit allerdings nur die spielstarken Forster- und Cottbuser Mannschaften angehörten. Als Unterbau installierte man nun aber fünf Staffeln (A bis E), die die Bezeichnung IA-Klassen bekamen. Diese Staffeln gliederten sich im Großen und Ganzen in drei geografische Gebiete auf. Zum einen das Gebiet rings um das Senftenberger Revier, dann etwas großflächiger die Region Spremberg-Finsterwalde-Lübben-Forst mit Cottbus in dessen Zentrum (wenn man die vier erstgenannten Städte auf einer Landkarte verbindet, entsteht grobgesehen ein Viereck mit dem Mittelpunkt Cottbus) und die Gegend um Weißwasser. In den beiden erstgenannten Gebieten wurde in zwei Staffeln gespielt, im Weißwasseraner Raum beließ man es bei einer Gruppe. Aus den kargen Aufzeichnungen des „Senftenberger Anzeigers“ erschließt sich, dass die Cottbuser Gegend die Staffeln A und B zugeordnet bekamen und das Senftenberger Revier die Staffeln D und E. Dementsprechend spielten die Mannschaften des Großraums Weißwasser in der Staffel C.

Der FC Alemannia Großräschen wurde in die Gruppe D eingegliedert und traf dort auf den SV 1920 Niemtsch (neu gegründet), den VfB Senftenberg 1910, den SC Vorwärts 1919 Petershain, den SC Corona 1910 Neupetershain, den SC Hertha 1915 Hörlitz und den SV 1919 Hoyerswerda, der in der Sommerpause vom Arbeitersport ins bürgerliche Lager gewechselt war. Leider halten sich auch in dieser Saison die Informationen des „Senftenberger Anzeigers“ in bescheidenen Grenzen, so dass eine detaillierte Aufarbeitung (noch) nicht möglich ist. Es wird aber ersichtlich, dass sich die Spannweite der Testspielgegner Alemannia's vor Beginn der Meisterschaft vergrößerte. So kamen mit dem VfB Finsterwalde und dem MTV Vetschau neue Spielpartner hinzu. In die eigentliche Punktspielsaison startete der FC Alemannia Großräschen dann unerwartet gut. Einem Start-Heimsieg gegen den SC Corona 1910 Neupetershain (4:2) folgte eine Woche später ein 1:1-Unentschieden beim Neuling SV 1920 Niemtsch. Als auch noch anschließend der SC Hertha 1915 Hörlitz zu Hause mit 1:0 geschlagen wurde, fuhr der FC Alemannia Großräschen als Tabellenführer zum Staffelfavoriten VfB Senftenberg 1910. Leider versiegen im Anschluss die Quellen, so dass über den weiteren Verlauf der Meisterschaft keine detaillierte Auskunft mehr gegeben werden kann. Der Rest wird daher eher spekulativ. Nach Beendigung der Meisterschaft durften mit dem VfB Senftenberg 1910 und dem SV 1919 Hoyerswerda gleich zwei Mannschaften aus der Staffel D an der Meisterrunde der IA-Klassen teilnehmen, was als möglichen Grund eigentlich nur eine Punktgleichheit beinhalten konnte bzw. aus Termin- oder Protestgründen ein Entscheidungsspiel nicht mehr stattgefunden hat. Generell muss man an dieser Stelle wiederholt erwähnen, dass die einzige Konstante der damaligen Zeit das Chaos war. Einheitliche Spielpläne gab es nicht, es wurde wild angesetzt und drauflos gespielt. Oftmals wurden die Partien am „grünen Tisch“ entschieden oder wiederholt. Das alles führte dazu, dass kaum eine Meisterschaft zum festgelegten Abschlusstermin beendet war. Da im Anschluss jedoch die Aufstiegs-, Relegations- usw. -runden pünktlich starten mussten, kam es nicht selten vor, dass die aktuell führende Mannschaft zum Zeitpunkt X für den weiterführenden Wettbewerb zwar nominiert-, am Ende aber ein anderes Team Meister wurde. Auch liefen die vorherigen Meisterschaften noch wochenlang später weiter, obwohl die Folgewettbewerbe schon längst im vollsten Gange waren. So absolvierte z.B. der FC Alemannia Großräschen ein Meisterschaftsspiel zu Hause gegen den SC Vorwärts 1919 Petershain am 10.04.1921 (6:1), als die Meisterrunde der IA-Staffelsieger schon gut vier Wochen lief. Diese Tatsachen zeigen also deutlich auf, dass damals eher Anarchie als Systematik im Fußball vorherrschte (was eine detaillierte Recherche natürlich um ein Mehrfaches erschwert).

Neben den beiden Teilnehmern der Staffel D (VfB Senftenberg 1910, SV 1919 Hoyerswerda) qualifizierte sich mit dem SC Germania 1910 Ruhland eine Mannschaft aus der Gruppe E, die in der gesamten Meisterschaft ungeschlagen blieb. Als weitere Vertreter der Meisterrunde nahmen der TV 1861 Cottbus (Staffel A), die Turnerschaft Berge (Staffel B) und der VfB Weißwasser (Staffel C) teil. Auch über diese Meisterrunde geben die Quellen des „Senftenberger Anzeigers“ leider nicht all zu viele Informationen preis. Am Ende setzte sich der TV 1861 Cottbus durch (oder wurde bestimmt oder führte zu einem Zeitpunkt X die Tabelle an) und nahm anschließend an der Relegationsrunde zur Bezirksliga Niederlausitz teil. Gegner dort waren die beiden Tabellenletzten SC Union 1905 Cottbus und der VfB 1901 Forst. Was vorher keiner für möglich gehalten hatte trat ein, der IA-Klassen-Vertreter TV 1861 Cottbus schaffte tatsächlich den Sprung in die eigentlich „geschlossene Gesellschaft Bezirksliga“. Ein Kunststück, was zur damaligen Zeit nicht vielen unterklassigen Mannschaften gelang. Den bitteren Gang in die Zweitklassigkeit musste dagegen der SC Union 1905 Cottbus antreten.

Für den FC Alemannia Großräschen war die Saison nach Beendigung der Meisterschaft natürlich noch nicht vorbei. In sogenannten Gesellschaftsspielen maß man seine Kräfte mit neuen Gegnern wie z.B. dem TV Viktoria I Marga, der das bürgerliche Pendant zum mittlerweile im Arbeitersport integrierten SV Grube Marga (später Brieske/Senftenberg) darstellte. Leider fehlen auch hier weiterführende Informationen des „Senftenberger Anzeigers“, so dass über sicherlich viele weitere Aktivitäten noch nichts weiter berichtet werden kann.

Die Mannschaft in der Saison 1920/21 (leider unvollständig)

Trainer: /

 

Spiele:

04.07.20 TS SC Wacker Viktoria III Naundorf - Alemannia  
25.07.20 TS Alemannia - VfB Finsterwalde 3:2
29.08.20 TS Alemannia - MTV Vetschau  
05.09.20 TS Alemannia - Seminar-TV Altdöbern  
12.09.20 MS Alemannia - SC Corona 1910 Neupetershain 4:2
19.09.20 MS SV 1920 Niemtsch - Alemannia 1:1
26.09.20 MS Alemannia - SC Hertha 1915 Hörlitz 1:0
03.10.20 MS VfB Senftenberg 1910 - Alemannia  
31.10.20 TS Alemannia - TV Germania Dobristroh  
10.04.21 MS Alemannia - SC Vorwärts 1919 Petershain 6:1
17.04.21 TS VfB Klettwitz 1913 - Alemannia  
05.06.21 TS TV Viktoria I Marga - Alemannia  
19.06.21 TS Alemannia - FC Germania Bernsdorf  

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SC Vorwärts Großräschen

Liga: 1. Kreis, 6. Bezirk, Gruppe Senftenberg

 

In Vorbereitung auf die neue Spielzeit 1920/21 nahm der SC Vorwärts Großräschen im Sommer 1920 an verschiedenen Sportfesten teil, was auf eine gewisse Sympathie im regionalen Umfeld schließen ließ. So spielte man z.B. bei der Sportplatzweihe der SpVgg Lautawerk, beim Sportfest in Marga und auch im Rahmen des Jugend-Gruppenturnfestes in Senftenberg. Zum ersten Mal wurde auch ein eigenes Sportfest durchgeführt. Da die dazu verpflichtete Mannschaft aus Cottbus nicht erschien, trat der SC Vorwärts Großräschen gegen eine gemischte Auswahl von Waldfrieden Ilse, Annahütte und Bückgen an, die zuvor schon im Rahmen des Festes Partien gegeneinander ausgetragen hatten, und gewann knapp mit 1:0. Am 12.09.1920 begannen die Meisterschaftsspiele. Der SC Vorwärts Großräschen spielte in der Gruppe Senftenberg des 6. Bezirkes des 1. Kreises (Märkische Spielvereinigung des ATSB). Weitere Teilnehmer waren nach den spärlichen Aufzeichnungen des „Senftenber Anzeigers“ der ATV (ArbeiterTurnVerein) Harmonie Senftenberg, die FT (Freie Turnerschaft) Einigkeit Senftenberg, der SV Grube 1919 Marga, der SC (SportClub) Sturm Anna-hütte, die SpVgg Lautawerk und der SV Waldfrieden Grube Ilse. Eine Woche nach Beginn der Punktspiele empfing der SC Vorwärts Großräschen den SV Grube 1919 Marga und konnte sicher mit 3:0 gewinnen. Trotz einer wohl respektablen Heimstärke, es liegen noch die Ergebnisse der Heimspiele gegen die SpVgg Lautawerk (2:1) und den SC Sturm Annahütte (4:0) vor, reichte es am Ende nicht zum Gruppensieg. Diesen errang der SV Grube Marga, der anschließend um die Bezirksmeisterschaft mit den anderen Gruppensiegern kämpfte.

Leider versiegen auch hier die Quellen des „Senftenberger Anzeigers“. Gesichert ist nur, dass der SC Tasmania Forst die Bezirksmeisterschaft gewann, anschließend jedoch bei der Kreismeisterschaft der Märkischen Spielvereinigung gegen den Berliner Vertreter Neuköllner SC Rüstig Vorwärts 1913 zu Hause mit 1:2 nach Verlängerung verlor und somit als letzter regionaler Vertreter die Waffen strecken musste.

Einen Höhepunkt gab es dann aber nach der Meisterschaft noch für den SC Vorwärts Großräschen. Beim eigenen Sportfest trat man gegen den Cottbuser Gruppenmeister, den SC Komet Schmellwitz an und verlor nur knapp mit 1:2. Man war demnach also von der Leistungsspitze des Bezirkes nicht all zu weit entfernt.

Trainer: /

 

Spiele:

04.07.20 TS

Vorwärts - ?

(Sportplatzweihe ATSV Lautawerk)

 
11.07.20 TS Vorwärts - SC Sturm Annahütte  
25.07.20 TS

Vorwärts - Kombination Waldfrieden/Annahütte/Bückgen

(Sportfest Vorwärts Großräschen)

1:0
01.08.20 TS

Vorwärts - SC Viktoria Lübbenau

(in Marga zum Sportfest)

 
22.08.20 TS SpVgg Lautawerk - Vorwärts 1:1
29.08.20 TS

ATV Harmonie Senftenberg - Vorwärts

(im Rahmen des Jugend-Turnfestes)

 
05.09.20 TS Vorwärts - SC Minerva Cottbus  
19.09.20 MS Vorwärts - SV Grube 1919 Marga 3:0
03.10.20 MS SV Waldfrieden Grube Ilse - Vorwärts 2:1
10.10.20 MS Vorwärts - SpVgg Lautawerk 4:1
17.10.20 MS FT Einigkeit Senftenberg - Vorwärts  
26.12.20 TS Vorwärts - TSV Berlin-Stralau  
16.01.21 MS Vorwärts - SC Sturm Annahütte 4:0
23.01.21 MS SV Grube 1919 Marga - Vorwärts  
13.02.21 MS Vorwärts - FT Einigkeit Senftenberg  
28.03.21 TS Vorwärts - SC Komet Cottbus  
24.04.21 TS

FT Einigkeit Senftenberg - Vorwärts

(zum Frühjahrs-Anturnen der Turnerschaft)

 
05.06.21 TS Vorwärts - SV Dresden-Tschachwitz 3:4
12.06.21 TS

Vorwärts - SC Komet Schmellwitz

(Sportfest Vorwärts Großräschen)

1:2

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