Saison 1938/39

Liga: 1. Kreisklasse Senftenberg

 

Im Sommer 1938 zogen über dem politischen Europa immer dunklere Wolken auf. Die aggressive Außenpolitik der Nationalsozialisten nahm immer bedrohlichere Züge an. Bereits im März 1938 kam es zum Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich. Damit aber nicht genug, denn in den folgenden Wochen und Monaten wurde das deutsche Volk mit entsprechender Propaganda durch die gleichgeschalteten Medien systematisch auf eine kriegerische Auseinandersetzung vorbereitet. Nur die zögerliche Haltung vor allem der Franzosen und Briten sorgten dafür, dass es nicht schon 1938 zu bewaffneten Konfrontationen kam. Im Oktober musste die Tschecho-Slowakische Republik nach Abschluss des Münchener Abkommens (sie selbst waren dort gar nicht erst eingeladen) das Sudetengebiet, was sie nach dem 1. Weltkrieg durch den Versailler Vertrag zugesprochen bekamen, wieder an Deutschland abtreten. Durch weitere Intrigen von deutscher Seite folgte bald darauf die Abspaltung der Slowakei und schließlich im März 1939 der Einmarsch deutscher Truppen in den übriggebliebenen tschechischen Rumpfstaat und die Errichtung des Protektorates Bömen und Mähren. Diese ganzen Vorgänge wurden vor allem durch die Tageszeitungen, darunter natürlich auch der "Senftenberger Anzeiger" umfangreich "ausgeschlachtet", so dass für andere Themen immer weniger Platz zur Verfügung stand. Auch die Sportberichterstattung, und hier in erster Linie die Informationen rund um den Fußball, gingen fortan immer weiter zurück, was eine detaillierte Aufarbeitung der Saisonen von nun an immer schwieriger machte.

In dieser angespannten politischen Situation musste sich der FC Alemannia Großräschen nun gleich zu Saisonbeginn auf ein ganz wichtiges Spiel vorbereiten. Die Ausspielung der unterbrochenen Aufstiegsrunde zur Bezirksklasse stand noch auf dem Programm und da hieß der erste Gegner gleich Tabellenführer SV Blau-Weiß Lübben-Treppendorf. Diese gewannen die erste Partie nach der Sommerpause zu Hause gegen den SC Spremberg und reisten somit mit 6:0 Punkten als klarer Spitzenreiter an. Alemannia bestritt nur ein Vorbereitungsspiel beim "Tag des Sports" in Großräschen gegen die SVgg 1924 Annahütte, was 1:1 unentschieden endete. So trafen sich am 21. August beide Mannschaften zur vorentscheidenden Auseinandersetzung. Bei starkem Regen sahen die 300 Zuschauer einen ausgeglichenen Kampf. Die 1:0-Führung der Großräschener konnte Lübben in der zweiten Halbzeit ausgleichen, was ihnen am Ende dann auch zum endgültigen Aufstieg reichte. Das nun bedeutungslos gewordene letzte Aufstiegsspiel in Spremberg nutzten beide Teams nochmals zum Testen. Knapp mit 5:4 setzte sich hier der Sportclub aus Spremberg durch. Somit hieß es also "auf ein Neues" für den FC Alemannia Großräschen in der 1. Kreisklasse Senftenberg. Diese Meisterschaftsrunde hatte es aber diesmal in sich. Es gab zwar noch keine offiziellen Beschlüsse, aber bereits bei den Tagungen des Spielausschusses zur Vorbereitung der Saison 1938/39 sickerte durch, dass man für die folgende Spielserie 1939/40 die Bezirksklasse um eine Staffel reduzieren wollte. Daraufhin sollte für die Niederlausitz, quasi als Auffangbecken für die zu erwartenden Absteiger aus der Bezirksklasse und den besten Teams der drei ehemaligen 1. Kreisklassen, eine neue, eingleisige Kreisklasse Westlausitz gebildet werden. Bei einer damals üblichen Staffelstärke von 10 bis 12 Mannschaften bedeutete dies für die Teilnehmer der 1. Kreisklassen, dass höchswahrscheinlich nur die ersten drei oder vier Teams im Abschlussklassement die Qualifikation zu dieser neuen Abschnittsklasse erhalten würden. Dementsprechend motiviert gingen alle Mannschaften ab dem 11. September in den Kampf um die wertvollen Meisterschaftspunkte. Beim FC Alemannia Großräschen musste man aber sehr schnell erkennen, dass der personelle Aderlass nicht kompensiert werden konnte. Nach einem 1:1-Auftakt zu Hause gegen den TV Finsterwalde folgte eine Woche später eine 0:1-Niederlage bei der Turnerschaft Lautawerk. Der negative Lauf setzte sich mit einer blamablen 0:1-Heimpleite gegen den SC Senftenberg 2 fort und mündete mit einer noch deftigeren Niederlage in Welzow (1:5). Bereits zu diesem Zeitpunkt waren die Hoffnungen auf ein Mitspielen um die Plätze in der Abschnittklasse nahe Null. Zwar erlebte Alemannia mit einem Heimsieg über die SpVgg Finsterwalde (4:0), Unentschieden zu Hause im Derby gegen den VfL Bückgen-Grube Ilse (0:0), gegen die SVgg 1924 Annahütte (1:1) und dem SV Hoyerswerda (1:1) sowie einem 2:0-Auswärtserfolg bei Corona Neupetershain einen goldeneren Herbst, aber spätestens nach dem 0:5 beim BC Erika am 4. Dezember war es auch damit wieder vorbei. Im letzten Spiel des Jahres folgte eine 1:3-Niederlage im Lokalerby in Bückgen und der Rückfall auf den 8. Platz der Tabelle. Auch 1939 begann mit einer Niederlage. 3:5 hieß es am 8. Januar zu Hause gegen den Spitzenreiter Turnerschaft Lautawerk. Als dann auch noch die Kunde vom Sportgericht über die zwei abgesprochenen Punkte vom eigentlichen Sieg in Neupetershain eintraf, gab man die Meisterschaft endgültig auf. Nicht mehr einholbar war der Rückstand zu den möglichen Qualifikationsplätzen. Dass man es aber sportlich trotzdem noch drauf hatte, bewiesen die beiden Siege beim SC Senftenberg 2 (2:1) und zu Hause gegen Corona Neupetershain (3:0) in der Schlussphase der Meisterschaft. Titelträger der 1. Kreisklasse Senftenberg wurde die Turnerschaft Lautawerk, die aber in der Aufstiegsrunde zur Bezirksklasse dem Cottbuser Vertreter, der Turnerschaft Brigitta, den ersten Rang nicht streitig machen konnte.

In der Bezirksklasse Niederlausitz musste sich der SV Marga diesmal den durch Sponsoren aufgerüsteten SV Amicitia 1900 Forst beugen und erreichte erneut den zweiten Platz. Der VfB Klettwitz und der VfB Senftenberg belegten untere Mittelfeldplätze, während Hertha Hörlitz abgeschlagen Tabellenletzter wurde.

Gleich zu Beginn des Jahres, als die Meisterschaft in der Kreisklasse ihrem Ende entgegensteuerte, begannen wie mittlerweile gewohnt die Tschammer-Pokalspiele. Der FC Alemannia Großräschen trat dabei in der 1. Vorrunde beim TV Kausche an und fuhr mit einem 10:2-Sieg sogar ein zweistelliges Ergebnis ein. Für die 2. Runde zwei Wochen später bescherte das Los ein Auswärtsspiel beim VfB Sorau (heute Zary und in Polen liegend). Auf eine so weite Reise verzichteten die Großräschener jedoch aus Kostengründen und schieden somit aus dem Pokalwettbewerb aus. In der Zeit nach der Meisterschaft und vor der Sommerpause absolvierte Alemannia noch einige Gesellschaftsspiele. Höhepunkt war dabei sicherlich der 14. Mai, als man sich zum 20jährigen Vereinsjubiläum des FC Alemannia Großräschen den Lokalrivalen vom VfL Bückgen-Grube Ilse einlud und nach gutklassigem Spiel mit einem leistungsgerechten 2:2-Unentschieden trennte.

 

 

Trainer: /

 

Spiele:

14.08.38 TS

Alemannia - SVgg 1924 Annahütte

(Tag des Sports in Großräschen)

1:1
21.08.38 AR Alemannia - SV Blau-Weiß Lübben-Treppendorf 1:1
28.08.38 AR SC Spremberg 1896 - Alemannia 5:4
11.09.38 MS Alemannia - TV 1862 Finsterwalde 1:1
18.09.38 MS Tschft. Lautawerk - Alemannia 1:0
09.10.38 MS Alemannia - SC Senftenberg 2 0:1
16.10.38 MS SVgg Eintracht Welzow - Alemannia 5:1
23.10.38 MS Alemannia - VfL Bückgen-Grube Ilse 0:0
06.11.38 MS Alemannia - SVgg 1924 Annahütte 1:1
13.11.38 MS SC Corona 1910 Neupetershain - Alemannia 0:21
20.11.38 MS Alemannia - SpVgg Finsterwalde 4:0
27.11.38 MS Alemannia - SV Hoyerswerda 1919 1:1
04.12.38 MS BC Erika - Alemannia 5:0
11.12.38 MS VfL Bückgen-Grube Ilse - Alemannia 3:1
08.01.39 MS Alemannia - Tschft. Lautawerk 3:5
15.01.39 PS TV Kausche - Alemannia 2:10
22.01.39 MS Alemannia - SVgg Eintracht Welzow 2:2
29.01.39 PS VfB Sorau - Alemannia Alemannia n.a.
12.02.39 MS SV Hoyerswerda 1919 - Alemannia 4:3
26.02.39 MS SC Senftenberg 2 - Alemannia 1:2
05.03.39 MS TV 1862 Finsterwalde - Alemannia 1:1
12.03.39 MS Alemannia - BC Erika 3:3
19.03.39 MS Alemannia - SC Corona 1910 Neupetershain 3:0
26.03.39 MS SpVgg Finsterwalde - Alemannia 1:0
02.04.39 MS SVgg 1924 Annahütte - Alemannia 4:2
23.04.39 TS Alemannia - TuSVgg Hosena 2:6
30.04.39 TS Alemannia - TV Kausche 4:1
07.05.39 TS Alemannia - SVgg Eintracht Welzow 4:0
14.05.39 TS

Alemannia - VfL Bückgen-Grube Ilse

2:2
04.06.39 TS

SA-Standarte 359 - Alemannia

(Turn- und Sportfest in Großräschen)

1:3
11.06.39 TS Alemannia - SC Hertha 1915 Hörlitz 1:1
25.06.39 TS TuSVgg Hosena - Alemannia  

1

 

Dem FC Alemannia Großräschen wurden später die zwei gewonnenen Punkte am "grünen Tisch" wieder aberkannt.

 

Abschlusstabelle:

Pl. Mannschaften Sp Tore Punkte
01. Tschft. Lautawerk                   20 45:27 32:8
02. BC Erika 20 72:34 30:10
03. VfL Bückgen- Grube Ilse 20 45:31 26:14
04. SVgg 1924 Annahütte 20 41:28 23:17
05. SV Hoyerswerda 1919 20 58:39 22:18
06. SVgg Eintracht Welzow 20 42:42 21:19
07. TV 1862 Finsterwalde 20 38:34 18:22
08. SpVgg Finsterwalde 20 42:54 16:24
09. SC Corona 1910 Petershain 20 38:53 15:25
10. FC Alemannia Großräschen 20 28:39 13:27
11. SC Senftenberg 2 20 14:83 4:36

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Statistiken und Spielberichte

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