Saison 1922/23

 

FC Alemannia Großräschen

Liga: Gauklasse Senftenberg

 

Die Saison 1923/23 wurde immer mehr von politischen und wirtschaftlichen Schwierigkeiten überschattet. Im Sommer 1922 erfolgten aus rechtsgerichteten Kreisen tödliche Attentate gegen hochrangige Politiker (Erzberger, Außenminister Rathenau). Auch die wirtschaftliche Lage blieb infolge der Reparationszahlungen an die Siegermächte des ersten Weltkrieges desaströs und eine Geldentwertung der Deutschen Mark setzte ein. Im November 1922 verweigerte die Deutsche Regierung die Weiterzahlung der Reparationen und rief damit Frankreich auf den Plan, das mit der Besetzung des Ruhrgebietes drohte, was dann auch Anfang 1923 geschah. Die Regierung Cuno rief daraufhin zum Generalstreik auf. Um die streikende Bevölkerung weiterzubezahlen, wurde mehr Geld gedruckt. So setzte sich eine verhängnisvolle Spirale in Gang, die schließlich in der Hyperinflation endete. Auf dem Höhepunkt dieser Entwicklung kostete beispielsweise ein Brot = 10 Millionen Mark!

Unter all den eben beschriebenen Schwierigkeiten startete der Gau Senftenberg in seine Premierensaison. Leider wirkten sich die wirtschaftlichen Probleme auch auf die Berichterstattung der örtlichen Presse aus. So wurde die tägliche Veröffentlichung des „Senftenberger Anzeigers“ auf das Erscheinen aller drei Tage reduziert, was in dessen Folge natürlich eine noch spärlichere Berichterstattung über den Sport nach sich zog.

Der Gau-Ausschuss unterteilte seine Spielklassen in eine Gauliga und vermutlich zwei Gauklassen. Die Gauliga setzte sich aus den Vereinen SC Corona 1910 Neupetershain, VfB Senftenberg 1910, VfB Klettwitz 1913, SV 1919 Hoyerswerda, SC Viktoria 1911 Costebrau und dem Aufsteiger SC Askania Zschipkau zusammen. Eine Staffel der Gauklasse bestand nachweislich aus folgenden Mannschaften: SC Hertha 1915 Hörlitz, FC Alemannia Großräschen, VfR Senftenberg, SC Preußen Meuro, TV Germania Dobristroh und dem SC Wacker Viktoria III Naundorf. Die Aufstellung der zweiten Staffel ist leider noch nicht bekannt. Es muss sie aber gegeben haben, da am Ende der Saison die SpVgg Eintracht Welzow als Gegner um die Meisterschaft der Gauklasse auftauchte.

Die schwierigen wirtschaftlichen Verhältnisse trafen auch die Vereine hammerhart. So musste beispielsweise der SC Germania 1910 Ruhland den Spielbetrieb einstellen, blieb aber zumindest als Verein bestehen, was u.a. ein Gesellschaftsspiel mit dem FC Alemannia Großräschen am 13. Mai 1923 beweist. (Noch) nicht eruierbar war der der Verbleib (oder evtl. Übertritt zum Arbeitersport) der Vereine TV Viktoria I Marga, SV 1920 Niemtsch und MTV Annahütte. Gesichert ist nur, das der SC Vorwärts 1919 Petershain zum ATSB wechselte und fortan im Arbeitersport weiterspielte.

Aufgrund der oben beschriebenen Probleme war die Berichterstattung auch für diese Saison mehr als dürftig. Wie von allen erwartet, entwickelte sich vom Saisonstart weg ein spannender Zweikampf zwischen den beiden zur damaligen Zeit besten Mannschaften, dem VfB Senftenberg 1910 und dem SC Corona 1910 Neupetershain. Das entscheidende Spiel stieg am 29. Januar 1923 in Senftenberg und wurde von Corona Neupetershain mit 3:2 gewonnen, die sich damit als erster Titelträger in die Annalen des Gaues Senftenberg eintragen konnten. Ansonsten war noch erwähnenswert, dass der SC Askania Zschipkau während der Saison wegen zweimaligem Nichtantritt gemäß den damaligen Statuten des DFB von der Meisterschaft disqualifiziert wurde und im Sommer in den ATSB überwechselte. Der SC Corona 1910 Neupetershain trat im Anschluss als Gaumeister in der Bezirksmeisterschaftsendrunde gegen die Meister der Gaue Forst (FC Viktoria 1901 Forst) und Cottbus (Cottbuser FV 1898) an und musste erneut feststellen, dass diese Vereine leistungsmäßig immer noch eine Nummer zu groß waren. Im „Heimspiel“ in Senftenberg setzte es gegen den Cottbuser FV 1898 zwar nur eine knappe 1:2-Niederlage, in Forst gab es aber mit einem 0:10 eine ordentliche Abreibung. Bezirksmeister der Niederlausitz wurde nach einem 2:1-Sieg der Cottbuser FV 1898, der aber bei der anschließend ausgespielten Südostdeutschen Meisterschaft nur den dritten Platz belegte und damit die Qualifikation zu den Spielen um die Deutsche Fußballmeisterschafft verpasste.

Die Spiele in der Gauklasse entwickleten sich in dieser Saison zu einer klaren Angelegenheit des SC Hertha 1915 Hörlitz, dessen Stern in den nächsten Jahren immer mehr aufleuchten sollte. Ungeschlagen wurde die Meisterschaft vor dem SC Wacker Viktoria III Naundorf errungen. Der FC Alemannia Großräschen schaffte es aber immerhin beim Heimspiel am 22. Oktober 1922, dem Titelträger beim torlosen Remis wenigstens einen Punkt abzuknöpfen. Ansonsten ist von dieser Meisterschaft aufgrund mangelnder Informationen des „Senftenberger Anzeigers“ leider nicht viel mehr zu berichten. Wie schon erwähnt, musste der SC Hertha 1915 Hörlitz noch Ausscheidungsspiele gegen den vermutlich

anderen Staffelsieger, der SpVgg Eintracht Welzow, austragen. Ob es nur die nebenstehende Partie oder auch noch ein Rückspiel gab, ist leider (noch) unbekannt. Auf jeden Fall setzte sich der SC Hertha 1915 Hörlitz durch (Ergebnisse leider auch noch unbekannt) und stieg dieses Mal ohne Liga-Befähigungsspiele, da der SC Askania Zschipkau ja im Sommer freiwillig seinen Platz räumte und zum Arbeitersport wechselte, zur Gauliga auf.

Der FC Alemannia Großräschen bestritt nach der Meisterschaft weiter fleißig Gesellschaftsspiele. Als neue attraktive Gegener kamen u.a. der SC Wacker 09 Ströbitz, der FC Deutschland 1910 Forst und der VfB Kamenz hinzu. Den krönenden Abschluss der Saison 1922/23 bildete am 1. Juli 1923 die Fahrt zum Sportplatz-Werbetag nach Lübben. Trotzdem das Spiel gegen den dortigen Gastgeber SC Germania Lübben mit 1:2 verloren ging, verbrachten die Großräschener einen herrlichen Tag im Spreewald.

Saisonabschluss in Lübben am 01.07.1923

Trainer: /

 

Spiele:

13.08.22 TS Alemannia - MTV Annahütte 1:0
20.08.22 TS SC Wacker Viktoria III Naundorf - Alemannia  
02.09.22 TS

SC Viktoria 1911 Costebrau - Alemannia

(Sportfest in Petershain)

8:0
17.09.22 TS Alemannia - VfB Senftenberg 1910 I1 1:3
22.10.22 MS Alemannia - SC Hertha 1915 Hörlitz 0:0
29.10.22 MS Alemannia - VfR Senftenberg Vfr. n.a.
05.11.22 MS SC Preußen Meuro - Alemannia  
14.01.23 MS TV Germania Dobristroh - Alemannia 0:4
04.02.23 MS Alemannia - SC Wacker Viktoria III Naundorf  
25.03.23 MS SC Hertha 1915 Hörlitz - Alemannia 5:2
08.04.23 TS SC Olympia 06 Cottbus - Alemannia 0:7
15.04.23 TS Alemannia - SC Preußen Meuro  
22.04.23 TS SV 1919 Hoyerswerda - Alemannia 1:3
06.05.23 TS

Alemannia - FC Deutschland 1901 Forst I1

(Sportfest Alemannia Großräschen)

1:2
13.05.23 TS SC Germania 1910 Ruhland - Alemannia 1:4
20.05.23 TS SC Wacker 09 Ströbitz - Alemannia  
21.05.23 TS Alemannia - BV Treptow-Süd 3:3
03.06.23 TS Alemannia - SV 1919 Hoyerswerda 2:0
24.06.23 TS Alemannia - VfB Kamenz 2:2
01.07.23 TS

SC Germania Lübben - Alemannia

(Sportplatz-Werbetag in Lübben)

2:1

1

 

 

 

 

 

Damals gab es eine etwas eigenartige Wichtung der Mannschaften. Die Mannschaft die in der Gauliga spielte, wurde allseits als "Liga" bezeichnet. Die zweite Mannschaft, die in der Gauklasse spielte, bekam, weil es die erste Klasse war, die Bezeichnung "I" zugesprochen. Aus Platzgründen wird hier jedoch auf die Bezeichnung "Liga" verzichtet.

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SC Vorwärts Großräschen

Liga: 16. Kreis, 3. Bezirk, Sonderklasse

 

War eine Aufarbeitung der sportlichen Geschehnisse aus dem bürgerlichen Lager schon schwierig genug, so verkomplizierte sich das Ganze beim Arbeitersport noch mehr. Hier blieben Informationen aus dem „Senftenberger Anzeiger“ fast völlig außen vor. Aus den wenigen Nachrichten kann man ableiten, dass der 16. Kreis im ATSB in insgesamt 6 Bezirke unterteilt wurde. Die hiesige Region Senftenberg-Finsterwalde spielte im 3. Bezirk. Als oberste Spielklasse fungierte die Sonderklasse, welche aus folgenden Mannschaften bestand: FTuSVgg Senftenberg, SC Vorwärts Großräschen, FSV (Freier SportVerein) Bockwitz, SC Hertha Nehesdorf (ab 1.1.1925 nach Finsterwalde eingemeindet und dann unter dem heute bekannten Hertha Finsterwalde weiterspielend), TuS Sturm Annahütte, SV Grube Marga und SC Neu-Hellas Finsterwalde. Der SC

Vorwärts Großräschen begann die Serie, wie links im Bild erkennbar ist, mit einem Heimspiel gegen den FSV Bockwitz (Ergebnis leider nicht bekannt). Am Sonntag darauf trat man bei der FTuSVgg Senftenberg an. Leider fehlt auch hier das Ergebnis, wie ohnehin zu diesem Zeitpunkt die Informationen abrupt abbrachen und erst zum Meisterschaftsende wieder in Bruchstücken veröffentlicht wurden. Am Ende gewann der SC Neu-Hellas Finsterwalde die Meisterschaft des 3. Bezirkes und vertrat den Bezirk anschließend bei den Kreismeisterschaften. Diese gewann aber der SC Tasmania 1913 Forst, der dann wiederum an der Ostdeutschen Verbandsmeisterschaft teilnehmen durfte, dort bis ins Finale vorstieß, in diesem aber in Spremberg vor immerhin 1000 Zuschauern gegen den Berliner FC Alemannia 22 mit 1:3 den Kürzeren zog. Mehr aus der Welt des Arbeitersportes gibt es für die Saison 1922/23 leider noch nicht zu berichten.

Trainer: /

 

Spiele:

20.08.22 TS Turnier anlässlich der Platzweihe des SV Grube Marga  
03.09.22 MS Vorwärts - FSV Bockwitz  
17.09.22 MS FTuSVgg Senftenberg - Vorwärts  
24.09.22 TS

SV West 03 Leipzig - Vorwärts

(Propagandaspiel in Senftenberg)

 
13.05.23 TS

TuS Sturm Annahütte II - Vorwärts

(Sportfest in Senftenberg)

 

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